„Der Freiwilligen Feuerwehr Klingenbrunn wird hiermit
bestätigt, daß sie als Mitglied des bayerischen Landesfeuerwehr-Verbandes
und als am 25. September 1876 gegründet
in der Grundliste desselben eingetragen ist.“

München, am 1. Januar 1899
Dies ist der Wortlaut der
Bestätigung des Landesfeuerwehrverbandes
über die Gründung der FFW
Klingenbrunn, die den Ausgangspunkt einer
nunmehr fast 130-jährigen
Vereinsgeschichte bildet.
Verheerende Brände in den Jahren vor der Gründung,
z.B.
der Wirtshausbrand am 28. Juli 1851 in Klingenbrunn
und der
Großbrand am 11. Mai 1855 im benachbarten Pfarrdorf
Oberkreuzberg
mögen wohl dazu beigetragen haben, den Gedanken des
freiwilligen
Brandschutzes auch in Klingenbrunn in die Tat
umzusetzen.
Bereits am 14. Dezember 1876 bestellte die ehemalige
Gemeindeverwaltung
Klingenbrunn
beim Maschinenfabrikanten Georg Sieber in Nürnberg eine
Saug-
und Druckspritze zum damals stolzen Preis von 1.100 Reichsmark. Gründungsmitglieder
zum 50-jährigen Dienstjubiläum im Jahr 1926;
v.l. Huber Benedikt, Hackl Josef, Raml
Michael, Straßer Georg
Der erste Meilenstein in der Entwicklung der FFW
Klingenbrunn zu einer schlagkräftigen Einheit im Gesamtsystem des
Sicherheits- und Rettungsdienstes war damit gesetzt.
Leider stehen uns gerade aus den Anfangsjahren nur sehr wenige Dokumente
zur Verfügung; die schwierigen Verhältnisse in dieser
Zeit lassen sich also nur erahnen.
Einen ihrer ersten Höhepunkte erlebte unsere Wehr mit
dem 50-jährigen Gründungsfest am 11. Juli 1926.
Auch die Beteiligung der FFW Klingenbrunn beim Empfang
S. kgl. Hoheit des Kronprinzen Rupprecht von Bayern am 26. Mai 1931
anlässlich dessen Bayerwaldreise dürfte in der
damaligen Zeit unter den Klingenbrunner Dorfbewohnern für einige Aufregung
gesorgt
haben. Gerade die beiden Weltkriege gingen – wie auch
anderenorts – nicht spurlos an der FFW Klingenbrunn vorüber.
Nach dem menschenverachtenden Irrsinn des II.
Weltkrieges war der Verein – ebenso wie unsere Heimat insgesamt – an seiner
„Stunde Null“ angelangt; Not, Trauer und unendliches
Leid hatten ihre unauslöschlichen Spuren hinterlassen.
Trotzdem fanden sich nach dem Niedergang der braunen
Diktatur auch in Klingenbrunn wieder beherzte Männer, die bereit waren
ihren Dienst am Nächsten zu erfüllen. Sie konnten im
Jahr 1946 ihre erste motorbetriebene Druckspritze aus Beständen der ehemaligen
Wehrmacht in Empfang nehmen.
Die ärmlichen Umstände
der Nachkriegszeit waren auch eine
große Herausforderung bei der Vorbereitung und
Durchführung
des 75-jährigen
Gründungsfestes im Jahres 1951. Trotz aller Nöte
war es aber gelungen,
ein großartiges Fest zu organisieren.
Schon im Jahr 1958
folgte die Weihe der noch heute von der
FFW Klingenbrunn
verwendeten Vereinsfahne.

Fahnenmutter mit Bänderträgerinnen und Festmädchen
Am 05. Mai 1959 ertönte in Klingenbrunn erstmals eine
Feuerwehrsirene. Zuvor dienten Horn, Kirchenglocken
und
Böllerkanone als Alarmierungsmittel.Mit der
Sirenenalarmierung
war ein weiterer Schritt nach vorne getan.
Die seit 1946 eingesetzte Wehrmachtspumpe tat noch bis
1962 ihren Dienst. Am 31.03.1962 wurde sie durch ein
neues, Fahnenjunker
Ludwig Eiter mit der langjährigen, leider bereits
leistungsfähiges Gerät des Herstellers „Ziegler„
ausgetauscht.
verstorbenen Fahnenmutter Anna Schinabeck
und der jetzigen
Die alte Motorspritze war anschließend noch einige
Jahre im
Fahnenmutter Roswitha Kern – damals als
Festmädchen
Nachbarort Althütte für Brandschutzzwecke im Einsatz.

Das gesamte „Mobiliar“
der Feuerwehr war damals auf
einem Anhänger
verstaut. Zu Einsätzen und Übungen
wurde der Anhänger von
den LKW`s der Fuhrunternehmer
Anton Macht und Johann
Stadler sen. transportiert.
Motorspritze auf dem Feuerwehranhänger; die Pumpe ist auch heute
noch
einsatzfähig und wird von der FFW Klingenbrunn gewartet und gepflegt
1963 beantragte die Klingenbrunner Wehr den Neubau eines
Feuerwehrgerätehauses, da die bisherige Unterbringung
unmittelbar
neben der Pfarrkirche nicht mehr bedarfsgerecht war.
Das „neue“
und zwischenzeitlich schon wieder „alte“ Feuerwehrhaus
wurde am
27. August 1966 seiner Bestimmung übergeben.
Mannschaftsfoto aus dem Jahr 1973 mit dem neuen Fahrzeug

Über den ersten „fahrbaren“ Untersatz konnte sich die
FFW Klingenbrunn .
am 30.03.1973 freuen. An diesem Tag traf das lange ersehnte
LF 8 im
Dorf ein. Das Fahrzeug kostete immerhin 60.000 DM. Daran
beteiligte
sich die FFW Klingenbrunn mit insgesamt 5.000 DM; eine
stattliche
Summe für die damalige Zeit.Drei Jahre später beging die
Klingenbrunner
Wehr ihr 100-jähriges Gründungsfest. Die gelungene,
dreitägige
Veranstaltung war wesentlich vom Organisationstalent des
damaligen
Vorsitzenden Johann Stadler, dem späteren Ersten
Bürgermeister
der Gemeinde Spiegelau,
geprägt.
Fahnenmutter Anna Schinabeck (mitte) mit ihren Bänderträgerinne
und Festmädchen sowie Vorstand Johann Stadler (rechts)
und Kommandant Hugo Auerbeck (links)
Ein weiterer, sehr wesentlicher Meilenstein in der
schrittweisen
Entwicklung
zu einer modernen Wehr wurde im Frühjahr
1989
gesetzt; nach vielen Diskussionen und manchen
Auseinandersetzungen
konnte im Zuge der Dorfplatzerneuerung
mit
dem Neubau der Feuerwehrgerätehauses in
Klingenbrunn
begonnen werden. Das neue Gerätehaus
war
mit Baukosten von rd. 570.000 DM veranschlagt;
davon
brachte die FFW Klingenbrunn rd. 26.000 DM
durch
Eigenleistungen auf.
Gerätehaus der FFW Klingenbrunn kurz nach der Fertigstellung

Ein weiterer wichtiger Akt folgt im Jahr 1995: Mit
großem
Aufgebot wurde am 12.05. das neue Löschgruppenfahrzeug
LF 8/6 am Ortsrand von Klingenbrunn in Empfang
genommen.
Das Fahrzeug bekam am 13.08.1995 seinen kirchlichen
Segen.
Nach dem neuen Gerätehaus 1990 und der neuen
Tragkraftspritze
1992 war dies die dritte, größere Einweihungsfeier
innerhalb weniger Jahre.
Mit dem neuen Löschgruppenfahrzeug konnte die
Vervollständigung
der technischen Ausstattung lange vor dem Erreichen
des
125. Gründungsjubiläums abgeschlossen werden. Dieses
Fest sollte
schon nach den Vorstellungen des im Jahr 1997 leider
viel zu früh
verstorbenen
Kommandanten Kurt Bauer ein ganz besonderes
Ereignis werden. Die Mitglieder der FFW Klingenbrunn
und die gesamte Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 der FFW Klingenbrunn
Dorfgemeinschaften haben ihm diesen Wunsch erfüllt, da
die dreitägige
Veranstaltung von 10. bis 12. August 2001 allgemein
großen Anklang und
viel Lob aus berufenem Munde fand.


Festgottesdienst
Fahnenmutter Roswitha Kern
mit Kommandant Josef Kern und
Pater Adrianus bei der Bänderweihe an der Fatimakap elle

Eine Entwicklung,
welche anfangs teilweise sehr kritisch gesehen
wurde, leitete der
damalige Kommandant Kurt Bauer im Jahr 1991
mit der Gründung der
Damengruppe ein. Zwischenzeitlich hat sich
diese Maßnahme als
Glücksgriff für die FFW Klingenbrunn erwiesen,
da sich die Damen mit
viel Fleiß, Ehrgeiz und Engagement zu
einem unverzichtbaren
Bestandteil der aktiven Mannschaft entwickelt
haben. Vor allem die
Einsatzbereitschaft während der Tagesstunden
wird durch die Verfügbarkeit
weiblicher Feuerwehrdienstkräfte
wesentlich
vereinfacht.
Mannschaft der FFW Klingenbrunn im Jahr 2001
Die Gründung der Damengruppe hat auch einen
wesentlichen Beitrag zur Förderung der Kameradschaft und zum Zusammenhalt
im Verein geleistet. Mittlerweile sind mehrere
Familien vollständig Mitglieder der aktiven Mannschaft. Besonders stolz ist die
FFW Klingenbrunn auch auf die große Anzahl von
Jugendlichen, welche sich zum Dienst in der Feuerwehr bekennen.
Die Jugendgruppe fand in Jugendwart Thomas Robl einen
ausgezeichneten Betreuer und Ausbilder. Dank seiner Arbeit plagen
die Feuerwehr derzeit keine Nachwuchssorgen.


Damengruppe der FFW Klingenbrunn im Jahr 2001
Jugendgruppe der FFW Klingenbrunn

Den
bislang letzten Schritt zur stetigen Verbesserung der technischen
Ausstattung
organisierte die FFW Klingenbrunn im Jahr 2003 in
eigener
Regie. Unter der Federführung von Gerätewart Alfons Schönberger
wurde
ein ausgemusterter VW-Bus aus den Beständen des Bayerischen
Polizeiverwaltungsamtes
angekauft und in mühevoller Kleinarbeit zu
einem
Mehrzweckfahrzeug umfunktioniert. Die Maßnahme verursachte
Gesamtkosten
von rd. 2.800 €. Allerdings hat sich die Investition in jeder
Hinsicht
gelohnt, da das neue Fahrzeug als Ergänzung zum vorhandenen
LF
8/6 schon bei mehreren Schadensereignissen seinen Einsatzwert unter
Beweis
stellen musste.
Mehrzweckfahrzeug der FFW Klingenbrunn
Über die Pflichten des Feuerwehrdienstes hinaus hat
die FFW Klingenbrunn in der Vergangenheit außerdem für manche
Überraschung gesorgt. Dies zeigte sich z.B. in der
sehr erfolgreichen Teilnahme am Wettbewerb „Der Vereinskini“ von „Unser Radio“
im Jahr 2002 oder erst vor kurzem, als die Wehr beim
diesjährigen Fasching nach 30 Jahren mit großem Erfolg wieder eine
Faschinghochzeit auf die Beine stellte.
Derzeit wird die aktive Mannschaft von Kommandant
Josef Kern und dessen Stellvertreter Franz Stern geführt; der Verein steht
unter
der Leitung von Franz Süß und Ehrenkommandant Walter
Fröschl.
Josef Kern Franz
Süß
Kommandant Vorsitzender